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Reisen zum Polarlicht

WAS TUT SICH NOCH AM STERNENHIMMEL?

Hintergrundmusik: Redmoon (Arrangement: Mondfinsternis.net 2003).

Die meisten Menschen beobachten abends den Sternenhimmel. Kein Wunder also, dass in astronomischen Jahrbüchern und Kalendern, aber auch auf entsprechenden Webseiten meistens der abendliche Himmelsanblick geschildert wird. So mancher, der zufällig einmal den Morgenhimmel zu Gesicht bekommt, dürfte überrascht sein, dass da plötzlich ganz andere Sternbilder und vielleicht auch Planeten zu sehen sind als am Vorabend. Die Erde dreht sich nun einmal auch nachts weiter.
Wir schildern Ihnen im Folgenden zunächst, wie der Himmelsanblick in der "MoFi-Nacht" vom 08. auf den 09.11.2003 in Mitteleuropa am frühen Abend ist. Anschließend erklären wir Ihnen, was sich im Laufe der Nacht verändert, bis gegen 6.00 Uhr nach der hoffentlich eindrucksvollen Mondfinsternis die Morgendämmerung einsetzt.

Durch Klicken auf eines der nachstehenden Bilder öffnet sich in einem neuen Browserfenster entweder eine Sternkarte mit dem aktuellen Himmelsanblick oder eine Graphik mit der aktuellen Mondphase (werden beide stündlich aktualisiert)

Aktuelle Sternkarte
(von Astronomie.de)

Die aktuellen Sternkarten - von Astronomie.de
Die Mondphase
(von Astronomie.de)

Die aktuelle Mondphase - von Astronomie.de

Noch bevor es am 08.11.2003 gegen 18 Uhr dunkel geworden ist, wird Ihnen vielleicht tief im Südwesten ein sehr heller Lichtpunkt auffallen: es ist die Venus, die seit Anfang November ihre Rolle als Abendstern spielt. Noch bevor die Dämmerung endet, ist sie bereits untergegangen. Zur Orientierung am nun dunklen Sternenhimmel ist der wohl jedem bekannte Große Wagen am besten geeignet. Sie werden Ihn tief im Norden finden. Verlängern Sie nun mit den Augen die Krümmung der Wagendeichsel - dicht über dem Nordwest-Horizont stoßen Sie auf einen hellen Stern: Arktur im Sternbild Bärenhüter. Wenn Sie sich nach links wenden, werden Sie einen weiteren hellen Stern im Nordwesten sichten, nämlich Kapella im Fuhrmann. Folgen Sie mit den Augen weiter der Horizontlinie, so treffen Sie tief im Süden auf den dritten auffälligen Stern: Fomalhaut ist der Hauptstern im Südlichen Fisch. Ein gutes Stück darüber ist der rötlich leuchtende Planet Mars kaum zu übersehen. Noch höher und etwas weiter östlich fällt ein großes Trapez aus mittelhellen Sternen auf: es ist das Sternbild Pegasus, das den herbstlichen Abendhimmel dominiert. Östlich an den Pegasus schließt sich die Sternenkette der Andromeda an, die auf die bereits erwähnte Kapella zeigt. Oberhalb der Andromeda stoßen Sie auf ein weiteres sehr auffälliges Sternbild: Die Kassiopeia, das bekannte "Himmels-W". Es zeigt seinerseits auf den Polarstern, den Sie auch finden, wenn Sie die hintere Deichsel des Großen Wagens nach oben verlängern. Nun schauen Sie einmal senkrecht nach oben. Dort wird Ihnen eine Sternenkonstellation auffallen, die einem fliegenden Vogel gleicht. Dieses Sternbild ist der Schwan, und sein hellster Stern heisst Deneb. Zusammen mit der nicht weit entfernt stehenden bläulich funkelnden Vega in der Leier und dem halbhoch im Südwesten leuchtenden Atair im Adler bildet Sie das bekannte SOMMERDREIECK. Vom Adler über den Schwan und die Kassiopeia bis hin zum Fuhrmann zieht sich die Milchstraße, die wegen des hellen Vollmondes aber nur schlecht erkennbar ist.

Wahrscheinlich werden Sie sich jetzt erst einmal noch etwas ausruhen, denn es wird eine lange Nacht. Wenn Sie gegen Mitternacht aufbrechen, um sich rechtzeitig einen guten Standort zur Beobachtung der Finsternis zu suchen, hat sich der Himmelsanblick deutlich verändert. Dort, wo vor 6 Stunden das Sommerdreieck war, finden wir jetzt die Herbststernbilder Pegasus, Andromeda und Kassiopeia. Schwan und Leier sind tief im Nordwesten noch zu sehen, während der Adler bereits untergegangen ist. Dafür ist der Große Wagen im Nordosten höhergestiegen. Die Deichsel zeigt jetzt auf den Horizont, unter dem der helle Arktur zwischenzeitlich verschwunden ist.
Völlig verändert hat sich die Himmelszenerie im Südosten, wo nun in der Umgebung des alles beherrschenden Vollmondes eine fast erschlagende Fülle von hellen Sternen leuchtet. Am auffälligsten ist die wohl jedem bekannte Sternfigur des Orion. Seine drei Gürtelsterne markieren den Himmelsäquator. Der hellste Stern des Orion ist aber Rigel, der seinen rechten Fuß darstellt. Wenn Sie Rigel gefunden haben, gelangen Sie rasch auch zu den anderen Sternen des sogenannten WINTERSECHSECKS (eigentlich sind es 7 Sterne): links unterhalb des Orion funkelt noch recht horizontnah ein sehr heller weisslich-blauer Stern: es ist Sirius im Großen Hund, der weitaus hellste aller Fixsterne. Weiter östlich und deutlich höher stoßen wir auf Prokyon im Kleinen Hund. Noch höher fallen zwei nebeneinander stehende Sterne auf: Kastor und Pollux in den Zwillingen. Pollux ist der linke und etwas hellere der beiden, und nur er wird zum Wintersechseck gezählt. Fast senkrecht über uns leuchtet Kapella, die wir am frühen Abend noch tief im Nordosten angetroffen haben. Zwischen Kapella und Rigel komplettiert der auffällig rötliche Aldebaran im Stier das Sechseck, in dessen Mitte wie die Nabe eines Rades ein ebenfalls rötlicher Stern prangt: Beteigeuze ist die linke Schulter des Orion.
Spätestens wenn Sie eine Sternkarte zur Hand nehmen, werden Sie erstaunt feststellen, dass in den Zwillingen noch ein sehr heller, blassgelber Lichtpunkt steht, der da eigentlich nicht hingehört. Es ist der Planet Saturn, der nicht weit von seiner größtmöglichen Helligkeit entfernt ist. An Sirius reicht er freilich nicht heran und auch nicht an seinen Planetenkollegen Mars, der im unscheinbaren Sternbild Wassermann stehend sich bereits dem südwestlichen Horizont nähert.

Während der nächsten Stunden achten sie einmal auf den Großen Wagen: er steigt höher und höher, während das Himmels-W sich dem NW-Horizont nähert. Schwan und Leier gehen bald unter; im Norden Mitteleuropas wandert die helle Vega knapp am Nordhorizont entlang, weiter südlich verschwindet auch Sie. Während die imposanten Wintersternbilder Ihre höchste Stellung im Süden erreichen, geht im Osten der Löwe auf. Um 2 Uhr beherrscht seine auffällige Gestalt mit dem Hauptstern Regulus bereits den östlichen Himmel. Inzwischen ist im Nordosten auch Arktur wieder aufgegangen, den sie ja mit Hilfe der Wagendeichsel leicht auffinden können. Wenn Sie deren Krümmung noch weiter verlängern, gelangen Sie zu einem weiteren hellen Stern, der in weisslich-blauem Licht funkelt. Es ist Spica in der Jungfrau, die erst gegen 5 Uhr aufgeht. Falls Sie bereits früher in dieser Gegend einen strahlend hellen Lichtpunkt sichten, so handelt es sich um den Planeten Jupiter, der sich gerade im Bereich zwischen Löwe und Jungfrau aufhält. Regulus, Arktur und Spica werden übrigens auch als FRÜHLINGSDREIECK bezeichnet, weil sie in dieser Jahreszeit den Abendhimmel dominieren.

Jupiter und Saturn und die prachtvollen Wintersternbilder bieten eine imposante Kulisse für den Auftritt des Roten Mondes. Während sich der Mond in den Erdschatten schiebt und nach und nach deshalb an Helligkeit verliert, werden allmählich immer mehr Sterne sichtbar, die Milchstraße tritt deutlich hervor. Um das richtig verfolgen zu können, benötigen Sie allerdings einen dunklen Beobachtungsplatz abseits der städtischen Ballungsräume.

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Reisen zur totalen Sonnenfinsternis 2008